Klostern Malchow (c) M.Wünsch

Bützow, evangelische Stiftskirche

Friedrich Friese (III), 1877

II/P/28

 

Orgel in Bützow

 

Standort: Westempore

 

Beschreibung: Das obere Gehäuseteil entstammt in wesentlichen Teilen einer gotischen Orgel. Die Pfeifenfelder sind flach und voneinander durch gedrehte Stäbe getrennt. Sie schließen nach oben mit Rundbogen oder Ziegenrücken und haben darüber reiches Schnitzwerk. Die Fassung des Gehäuses ist spätestens seit der Erneuerung im 19. Jh. einheitlich braun. Der Orgelstuhl ist ebenso breit wie der Oberbau und gehört zum Umbau des 19. Jh. Der Spielschrank ist zentral angelegt. Die Windladen des Hauptwerkes liegen hinter der Prospektfront, darüber die Windladen des Oberwerkes. Dieses im Schwellkasten als Forte-Piano-Werk. Die Clarinette ist als Physharmonika in einem Zungenkasten in die Traktur des II. Manuals gehangen. Die Pedalladen stehen um 90 Grad gedreht hinter der Orgel. Tontraktur ohne Wellenbretter in Strahlenmechanik. Magazinbalg im Turm hinter der Orgel.

Baugeschichte: Vergleiche mit anderen Orgelprospekten der Gotik lassen den Schluss zu, dass die Entstehung des Bützower Prospektes in die Zeit vor 1500 gehört. 1794 schreibt Organist Schroeder, die Orgel sei „...von einem anderen Ort hierher gebracht worden.“ Am 1877 beseitigten Rückpositiv, welcher auf einer Zeichnung von 1862 gut zu sehen ist, stand die Jahreszahl 1608. In diesem Jahr soll Heinrich Glowatz aus Gnoien eine Reparatur oder einen Umbau – vielleicht den Neubau des Rückpositives – besorgt haben.[1] 1621 arbeitete der Güstrower Organist und Orgelbauer Lorenz Schröder an der Orgel.[2] Johann Engelbrecht Gerhardt aus Rostock begutachtete 1697 die Orgel und notierte die Disposition der drei Manualwerke und des Pedals mit 37 Registern, wobei vermutete Schreibfehler eine geringere Registerzahl annehmen lassen. Paul Schmidt aus Rostock hinterlies 1759 die Beschreibung der Klaviaturen, es fehlen Cis, Dis, Fis, Gis und im Diskant enden die Klaviaturen bei g2, a2.

Die Kirchenumgestaltung die 1860 beendet wurde, schloss eine Orgelreparatur und Verschiebung der Orgel um 1 ½ Fuß ein. Der damalige Restaurator Friedrich Lisch bezeichnete 1861 das Orgelgehäuse bereits als das einzige gotische im Lande. Seine Erhaltung war relativ sicher. Das Werk war aus damaliger Sicht nicht mehr zu retten. 1872 legte Friedrich Friese einerstes Angebot über eine neue Orgel vor. Das Rückpositiv war vielleicht schon vorher entfernt worden. Erste Neubaupläne des Architekten Krüger zeigen den Entwurf eines Rückpositives im Stil des Hauptgehäuses. Schließlich wurde auf den Bau eines Rückpositives verzichtet und der gotische Prospekt verwendet, den man um je ein Feld auf jeder Seite erweiterte. 1962/63 wurde die Orgel von der Firma Jehmlich (Dresden) repariert und klanglich umgestaltet. 1996-1999 Restaurierung mit klanglicher Rekonstruktion durch Kristian Wegscheider (Dresden).

 

I. Manual, Hauptwerk / C-f3, mechanische Schleifladen

Bordun 16’

Principal 8’

Dop. Flöte 8’

Bordunalflöte 8’

Gedact 8’

Gamba 8’

Octave 4’

Spitzflöte 4’

Quinte 2 2/3’

Octave 2’

Mixtur 3-5fach

Trompete 8’

 

II. Manual, Oberwerk / C-f3, mechanische Schleifladen (schwellbar)

Liebl. Gedact 16’

Geig. Principal 8’

Zartflöte 8’

Viola d’amour 8’

Liebl. Gedact 8’

Rohrflöte 4’

Octave 4’

Clarinette 8’ (Physharmonika)

 

Pedal / C-d1, mechanische Schleifladen

Principalbaß 16’

Violon 16’

Subbaß 16’

Principalbaß 8’

Baßflöte 8’

Violoncello 8’

Octave 4’

Posaune 16’

 

Nebenzüge :

Calcant

Manualcoppel

Pedalcoppel (I-P)

Sperventil Haupwerk

Sperventil Oberwerk

Sperventil Pedal

Sperventil als Tritt für 4 Pedalregister

Schwellertritt zum Einhaken (Auf – Zu)


Notenpult mit Firmenschild von Friese (III)

 


[1] Walter Haacke, Die Entwicklungsgeschichte des Orgelbaus im Lande Mecklenburg-Schwerin, Berlin 1935

[2] Landeshauptarchiv Schwerin